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1.000 Emails für den Frieden

Liebe Leser*innen dieser Worte,

geht es dir wie mir? Fühlst du dich angesichts des Kriegs Russlands gegen die Ukraine macht- und hilflos? Tag für Tag treibt mich die Sorge um, der Krieg Russlands könnte immer Eiter ausufern und uns Menschen auf dieser Welt mehr und mehr in kriegerische Gräuel hineinziehen. Dagegen will ich etwas tun! Und ich habe bereits etwas getan und möchte dich anstiften bei meiner Aktion mitzumachen.

Über einen Twitter-Beitrag bin ich auf die Idee gekommen, Emails an Menschen in Russland zu schicken, um diese über den Krieg zu informieren und zum Widerstand gegen Putin aufzurufen. Damit will ich der russischen Propaganda entgegenwirken, mit der die russischen Bürger eingelullt und in die Irre geführt werden. Ich will sie zum Eintreten für die Menschenrechte und den Frieden gewinnen, ihnen in diesem Sinn den Rücken stärken und sie zum aktiven Handeln motivieren.

Wie gehe ich dabei vor?

  1. Um Menschen per Email in Russland zu erreichen, benötigst du erst einmal Emailadressen. Diese lassen sich mit etwas Geduld über Karten-Apps finden (z.B. Google Maps oder Apple Karten). Öffne also einfach deine Karten-App und suche dir eine Stadt in Russland aus.
    Ich habe aus persönlichen Gründen Kaliningrad ausgewählt, da mein Vater aus der Nähe stammt (Ostpreußenflüchtling im WK2).
  2. Wenn du die Kartenansicht weiter vergrößerst, werden Karteneinträge von Hotels, Cafés, Restaurants, Geschäften, Museen, Theatern, usw. sichtbar. Klicke einen Eintrag an, so dass sich das Informationsfenster zu diesem Eintrag öffnet. Oft findet sich in dem Eintrag ein Link zu einer Homepage. Klicke diesen Link an.
  3. Nun bist du auf einer Homepage in russischer Sprache gelangt. Hotels und auch andere Institutionen bieten oft im oberen Bereich der Seite einen Button „En“ oder eine englische Flagge an, über die man auf eine englischsprachige Version der Seite gelangt, die einem die Orientierung auf der Seite erleichtert. Gehe dann auf die Seite „Contact“, also Kontakte, in russischer Sprache „Контакты“. Auf der Kontaktseite findet sich fast immer eine, manchmal sogar mehrere Emailadressen, die glücklicherweise nicht in kyrillischer, sondern lateinischer Schrift geschrieben werden.
  4. Kopiere die Emailadresse und speichere sie am besten in einer einfachen Datenbank (Excel, Numbers, …) mit einer Spalte und verwende pro Emailadresse eine Zeile. Letzteres ist hilfreich, wenn man später die Emailadressen sortieren, doppelte Einträge finden oder nicht mehr aktuelle Emailadressen löschen möchte.
  5. Grase nun die von dir ausgewählte Stadt systematisch ab und speichere alle gefundenen Emailadressen. Ich habe auf diese Weise fast 100 Emailadressen in Kaliningrad gesammelt.
  6. Jetzt kommt das Schreiben der Email. Ich habe dazu einen Text in einer Textdatei verfasst, einige Bilder hinzugefügt und die Datei dann als pdf-Datei abgespeichert. In der Email selbst habe ich einen unverfänglichen Begriff und einen ebensolchen unverfänglichen Text formuliert, in dem das Wort „Krieg“ beispielsweise nicht erwähnt wird. Durch dieses Vorgehen will ich vermeiden, dass die Emails von Administratoren oder staatlichen Stellen als westliche Propaganda erkannt und blockiert werden.
  7. Damit meine in deutscher Sprache formulierten Texte verstanden werden, habe ich sowohl den Email- als auch den pdf-Text mit einem Übersetzer-Programm im Internet übersetzen lassen. Dazu müssen beispielsweise bei translator.eu immer kleine Textportionen mit weniger als 1.000 Zeichen gebildet werden (ich nehme immer einen Absatz pro Übersetzungsvorgang). Am Ende übersetze ich dann sogar den Betreff der Email und den Titel der Textdatei.
  8. Als Letztes füge ich die Emailadressen der Email hinzu. Ich verschicke die Emails grundsätzlich als Blindkopie, so dass niemand weiß, an wen die Email noch geschickt worden ist. Damit will ich die Nachverfolgung erschweren, denn wir wissen nicht, an wen wir die Email schicken. Ist es jemand, der gegenüber der russischen Regierung kritisch eingestellt ist und unsere Nachricht begrüßt, oder eine Person, die sich mit diesem Staat identifiziert und unsere Email an staatliche Stellen weiterleitet, die dann wiederum andere Empfänger fragen, warum sie die Email nicht gemeldet haben. Wenn wir die Email als Blindkopie versenden, kann diese Form der Verfolgung nicht geschehen.
  9. Für das Versenden der Emails verwende ich eine spezielle Emailadresse. Zudem habe ich einen leistungsfähigen Business-Account bei meinem Internetprovider, so dass das Versenden problemlos und ohne Zeitverzögerung geschieht.

Nun hast du die Wahl, ob du autonom vorgehst und für dich selbst einen Emailverteiler einrichtest und mit den Menschen in Russland kommunizierst. Oder du unterstützt mich und erntest für mich Emailadressen, die du mir per Email (markhagelt@icloud.com) zusendest.

Mein nächstes Ziel sind 1.000 Emailadressen. Hilf mit!

Ich freue mich über jede Form der Unterstützung.

Mark Hagelt

In Kategorie: Demokratie, Krieg, Politik, Russland, Ukraine

Über den Autor

Veröffentlicht von

Mark Hagelt lebt seit vielen Jahren mit Kind und Kegel als Lehrer in Norddeutschland und hat in seinem Roman "Schulfrei" eigene Erfahrungen aus der Lehrerausbildung eingearbeitet. Das Manuskript ist bereits vor über 20 Jahren verfasst worden, lag dann aber nach ersten Veröffentlichungsversuchen lange im Regal und wurde erst kürzlich wiederentdeckt. Die im Roman thematisierten gesellschaftlichen Hierarchien und Ausgrenzungstendenzen beschäftigten den Autoren seit Langem, teilweise auch in wissenschaftlichen Bestrebungen, und scheinen ihm heute ausgeprägter zu sein, als in der Zeit des Verfassens des Werks. Daher erscheint ihm die Auseinandersetzung mit subtilen Formen der Unterdrückung und struktureller Gewalt aktueller denn je, da sie die Basis unseres auf Egalität und Solidarität fußenden demokratischen Zusammenlebens sukzessiv unterwandern.

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