Schulsorgen einer Mutter wegen Corona – Zuversicht hilft!

Schulsorgen einer Mutter wegen Corona – Zuversicht hilft!

Schulsorgen einer Mutter wegen Corona – Zuversicht hilft!

Die Ärztin ratterte mit mir den ausgefüllten Anästhesie-Fragebogen durch, als gäbe es kein Halten. Und dann stolperte sie über den Eintrag „Lehrer“ und kam auf ihre Sorgen zu sprechen. Sie habe zwei kleine Kinder, die zur Schule gingen, aber jetzt wegen Corona viel Stoff verpasst hätten, den sie nie wieder aufholen würden.

Da intervenierte ich. Nie mehr aufholen? In unseren Medien setzen sich anscheinend nur noch Extreme durch. Ich nimm nicht bestreiten, dass das langfristige Homeschooling nicht so effizient ist wie analoger Unterricht in der Schule. Allerdings habe ich auch vertrauen darauf, dass unsere lernfähigen Kinder sehr viel Wissen nachholen werden, dass sie verpasst haben. Ehrenrunden bzw. Sitzenbleiben ist da der falsche Weg. Besser wäre es, wenn man uns Lehrer*innen entlasten würde, so dass wir uns in gut ausgestatteten Lernumgebungen voll auf das Unterrichten konzentrieren können und nicht nebenbei noch Mädchen für alles sein müssen.

Beispiele: Weil es zu wenige Erzieher und Sozialpädagogen in Schulen gibt, müssen Lehrer viele soziale Dynamiken auffangen, anstatt zu unterrichten. Weil die Schulbüros unterbesetzt sind, müssen Lehrer nebenbei noch die Adressen der Schüler und Eltern verwalten und die Post der Schulleitung an die Eltern weiterleiten. Weil es an digitaler Ausstattung in den Klassenräumen fehlt, müssen Lehrer als Heinzelmännchen immer wieder neue Provisorien erschaffen, damit es zumindest ruckelnd läuft. Weil … ich habe das Gefühl, die Liste könnte noch stundenlang gefüllt werden. Und selbst wenn vieles auch nur Kleinigkeiten sind: Die Masse macht es letztlich und raubt uns viel Zeit, die wir für einen besser ausdifferenzierten Unterricht verwenden könnten. Differenzierung bzw. Individualisierung des Unterrichts sind die Zauberworte der Unterrichtsqualität. Doch sie kosten viel Zeit in der Planung, die uns Lehrern in den pauschal kalkulierten Stundenzeiten nicht wirklich zur Verfügung stehen.

Wenn man Lehrern etwas Gutes tun will, damit unsere Kinder die Corona-Lücken Wiederfüllen können, dann sollten wir sie von Verwaltungsaufgaben entlasten, Schulen mehr Erzieher und Sozialpädagogen geben, damit Lehrer sich weniger um die Nöte belasteter Kinder kümmern müssen und mehr Freiraum für das eigentliche Unterrichten haben. Sicherlich könnte man auch einfach mehr Lehrer einstellen, doch diese gibt es nicht. Der Lehrerarbeitsmarkt ist leergefegt und wird dies noch lange bleiben. Das Image des Berufes hat in den letzten Jahren zu sehr gelitten, die Arbeitsbelastung ist bekanntermaßen zu hoch und wer will sich das in unserer Freizeitgesellschaft schon zumuten.

Die letzten Punkte erzählte ich der besorgten Mutter nicht. Auch helfen wird es, wenn wir uns nicht zu viele Sorgen machen und uns auf unsere Ängste konzentrieren. Besser ist es, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Und gut sieht es doch aus, sofern die Öffnungsfanatiker in den nächsten Wochen nicht all unsere Vernunft zertrümmern und uns in die dritte Welle lotsen.

Also Kopf hoch und zuversichtlich in die Zukunft!

Mark Hagelt

Veröffentlicht von

markhagelt.org

Mark Hagelt lebt seit vielen Jahren mit Kind und Kegel als Lehrer in Norddeutschland und hat in seinem Roman "Schulfrei" eigene Erfahrungen aus der Lehrerausbildung eingearbeitet. Das Manuskript ist bereits vor über 20 Jahren verfasst worden, lag dann aber nach ersten Veröffentlichungsversuchen lange im Regal und wurde erst kürzlich wiederentdeckt. Die im Roman thematisierten gesellschaftlichen Hierarchien und Ausgrenzungstendenzen beschäftigten den Autoren seit Langem, teilweise auch in wissenschaftlichen Bestrebungen, und scheinen ihm heute ausgeprägter zu sein, als in der Zeit des Verfassens des Werks. Daher erscheint ihm die Auseinandersetzung mit subtilen Formen der Unterdrückung und struktureller Gewalt aktueller denn je, da sie die Basis unseres auf Egalität und Solidarität fußenden demokratischen Zusammenlebens sukzessiv unterwandern.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: