Lehrer im März gegen Corona geimpft – geht das?

Lehrer im März gegen Corona geimpft – geht das?

Lehrer im März gegen Corona geimpft – geht das?

Schon wieder eine Extrawurst, höre ich es aus dem Background meines Hirns röhren. Warum denn wieder diese Lehrer zuerst? So mag es manchem Menschen durch den Kopf gehen, da jetzt nach und nach wir Lehrer*innen gegen Corona geimpft werden werden und diese Nachricht durch die Medien und sozialen Netzwerke zieht. Es ist allerhöchste Zeit, denn unser Beruf ist in Coronazeiten gefährlich. Warum? Wenn ich an die 26 Schüler*innen meiner Klasse denke, Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren, die sich in einem Raum auf unter 48 qm tummeln, dann wird nicht nur mir bange. Auch meinen Schüler*innen ist es nicht ganz geheuer, wenn ich als Fachlehrer zwischen vier Jahrgängen meiner Schule, die jeweils eine getrennte Kohorte bilden, hin und her pendele. In diesem System bin ich ein potentieller Superspreader, sollte ich mich mit Corona infizieren.

Wie umentspannt die Situation in der Schule derzeit ist, kann auch an der Reaktion meiner Abiturient*innen abgelesen werden, die das Angebot des Präsenzunterrichts fast komplett abgelehnt haben, so dass wir ab nächste Woche im ganzen Abiturjahrgang wieder Homeschooling durchführen werden. Wer jetzt denkt, dass dies nur der Bequemlichkeit unserer Kinder zu verdanken ist, der liegt falsch, denke ich. Auch wenn dies in Ausnahmefällen zutreffen mag, sehe ich bei vielen meiner Schüler*innen ein seriöses Kalkül. Im Homeschooling ist man sicher vor Infektionen mit Corona. Im Präsenzunterricht kann man vielleicht intensiver lernen, aber das Risiko sich auf dem Schulweg oder in der Schule zu infizieren, ist gegeben. Und wer will sich so kurz vor der Prüfung eine Infektion einhandeln, die die Prüfungsteilnahme verhindern oder erheblich erschweren kann?

Dies sind durchaus sinnvolle Gründe. Das Abitur steht kurz vor der Tür. Und in dieser Situation wäre es auch nicht lustig, wenn der Prüfer, also ich, schwerer an Corona erkranken würde. Und auch dies ist ein Grund dafür, uns Lehrer*innen jetzt zu impfen. Dies wird ein großes Infektionsrisiko in unseren Schulen verschwinden und uns in vielleicht schon einem Monat ganz anders in die Welt schauen lassen. Bleiben wir zuversichtlich, halten wir weiter durch.

Ich weiß übrigens schon, dass ich mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff geimpft werden werde und dass dies mit einigen Nebenwirkungen verbunden sein wird. Mit Lehrern kann man es ja machen. Aber ich sage mir: Besser als nichts und freue mich auf meinen Impftermin in der nächsten Woche.

Hoffentlich seid ihr auch bald dran.

Mark Hagelt

Veröffentlicht von

markhagelt.org

Mark Hagelt lebt seit vielen Jahren mit Kind und Kegel als Lehrer in Norddeutschland und hat in seinem Roman "Schulfrei" eigene Erfahrungen aus der Lehrerausbildung eingearbeitet. Das Manuskript ist bereits vor über 20 Jahren verfasst worden, lag dann aber nach ersten Veröffentlichungsversuchen lange im Regal und wurde erst kürzlich wiederentdeckt. Die im Roman thematisierten gesellschaftlichen Hierarchien und Ausgrenzungstendenzen beschäftigten den Autoren seit Langem, teilweise auch in wissenschaftlichen Bestrebungen, und scheinen ihm heute ausgeprägter zu sein, als in der Zeit des Verfassens des Werks. Daher erscheint ihm die Auseinandersetzung mit subtilen Formen der Unterdrückung und struktureller Gewalt aktueller denn je, da sie die Basis unseres auf Egalität und Solidarität fußenden demokratischen Zusammenlebens sukzessiv unterwandern.

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