Eine Corona-Strategie statt ewiges Hin und Her

Eine Corona-Strategie statt ewiges Hin und Her

Eine Corona-Strategie statt ewiges Hin und Her

Und wieder gibt es für unsere Kinder ein Hin und Her. Dies kritisiert die Psychologin Hanna Christiansen in der SZ:

https://www.sueddeutsche.de/dpa/dpa-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210318-99-871162

Und auch ich schließe mich weiterhin dieser Kritik an, die ich bereits in früheren Beiträgen in diesem Blog geäußert habe. Unsere Kinder brauchen Verlässlichkeit. Und auch ein hochwertiger Unterricht braucht eine klare Planungsperspektive. Sonst entsteht nur ein kurzfristiges Beschäftigungsprogramm und hochwertige Bildung unterbleibt.

Allerdings darf aus diesem Grund keine Schulöffnung um jeden Preis geschehen, so wie es derzeit zu Beginn der dritten Corona-Welle anscheinend geschehen soll. Aktuell geben sich zu viele Politiker dem Druck der Straße bzw. dem populistischer Influenzier hin. Gern wird dabei das Argument vorgebracht, es sei unrealistisch, den Lockdown fortzusetzen. Was hier als „realistisch“ unterstellt wird und was als Realitätsverweigerung gilt, halte ich für hochproblematisch. Sicherlich ist es eine Realität, dass viele Selbständige mittlerweile wegen des Lockdowns existentielle Nöte durchleben. Und dies ist schlimm und diesen Menschen muss in einem gewissen Maß geholfen werden. Allerdings ist die dritte Welle auch eine Realität und diese wird uns viele Menschenleben kosten und viele Menschen erkranken lassen. Auch dies ist real.

Tatsächlich stecken wir in der Realität in einem Dilemma und müssen abwägen, ob die monetären Nöte einer Gruppe von Menschen gegenüber den gesundheitlichen Schäden und Menschenleben anderer Menschen privilegiert sein sollen. Es wird deutlich, dass die Entscheidung in dieser Frage nicht einfach ist. Für mich sind Gesundheit und Menschenleben wichtiger!

Aber nun zurück zur Frage der Schulöffnung und des ewigen Hins und Hers. Bei meinen Schülerinnen und Schülern herrscht derzeit nicht nur Freude über den Präsenzunterricht. Eltern melden uns, dass viele ihrer Kinder wegen der vielen Arbeiten, die in der nächsten Zeit geschrieben werden müssen, gestresst und besorgt sind. Bald stehen Abschlussarbeiten an und der nächste Schritt nach der zehnten Klasse muss geplant werden. Kaum einer meiner ausbildungswilligen Schüler hat bisher einen Ausbildungsplatz. Die Zeit läuft und wenig Chancen tun sich auf. Hier wäre eine kurzfristige Schulschließung sicherlich fatal. Aber ebenso ist ein Beibehalten der Schulöffnung bei steigenden Inzidenzwerten ein Spiel mit dem Feuer. Ich weiß von keiner Schule, an der die Hygienepläne wegen der neuen Coronavariante B 1.1.7, die deutlich ansteckender ist, so überarbeitet worden sind, dass sie den gleichen Gesundheitsschutz wie vorher bieten. Trotzdem soll der Unterricht weiterlaufen. Dies ist nicht mehr und nicht weniger als ein großer Menschenversuch, der insbesondere uns Lehrkräfte in Gefahr bringt.

Darf man dies eigentlich von uns verlangen? Ist dies legitim? Und ist dies legal?

Was meinen Sie?

Vielleicht macht es doch Sinn, die Schulen für eine Weile zu schließen und das Schuljahr bis Weihnachten zu verlängern, wie es der Bildungsforscher Marcel Helbig vorgeschlagen hat. Dann gäbe es eine klare Perspektive und der Stress und Druck wäre unseren Kindern genommen.

Mark Hagelt

Veröffentlicht von

markhagelt.org

Mark Hagelt lebt seit vielen Jahren mit Kind und Kegel als Lehrer in Norddeutschland und hat in seinem Roman "Schulfrei" eigene Erfahrungen aus der Lehrerausbildung eingearbeitet. Das Manuskript ist bereits vor über 20 Jahren verfasst worden, lag dann aber nach ersten Veröffentlichungsversuchen lange im Regal und wurde erst kürzlich wiederentdeckt. Die im Roman thematisierten gesellschaftlichen Hierarchien und Ausgrenzungstendenzen beschäftigten den Autoren seit Langem, teilweise auch in wissenschaftlichen Bestrebungen, und scheinen ihm heute ausgeprägter zu sein, als in der Zeit des Verfassens des Werks. Daher erscheint ihm die Auseinandersetzung mit subtilen Formen der Unterdrückung und struktureller Gewalt aktueller denn je, da sie die Basis unseres auf Egalität und Solidarität fußenden demokratischen Zusammenlebens sukzessiv unterwandern.

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